Tourbericht Trans-Alp 2003
"Martigny - Ventimiglia"

6. Etappe (Freitag, den 12.09.2003): Abries - Sampeyre *****

Es ist kalt und Schleierwolken verdecken den Himmel, als wir uns auf den Weg zum Mont Viso machen. Wie schon gewohnt, startet die Tour auch heute mit einem angenehmen Anstieg auf Teer, bevor es etwas steiler auf Schotter hoch zum Belvédere du Viso geht. Hier kann man entweder direkt hoch zu der GTA Hütte (Übernachtungsmöglichkeit) und dann auf dem GTA zum Lago Lestio oder man bleibt geradeaus im Tal. Wir entscheiden uns für die zweite Variante, die auch in der Mountainbike beschrieben ist. Der Pfad lässt sich noch ein Stück weit fahren, ehe die große Schlepperei beginnt. Der Unterschied zu den Tragepassagen in den östlicheren Alpen ist, dass man häufig das Bike nicht mehr schieben kann und es komplett geschultert werden muss. Was die Aufstiege aber schwierig gestaltet, da man eigentlich alle vier Pfoten zum Klettern bräuchte. Heute haben wir 700 von diesen Höhenmeter vor uns. Zu Beginn geht es noch recht angenehm durch das Tal, wobei der Weg zum Teil recht zugewachsen ist und wir die Fahrräder regelrecht durch die Büsche schleifen müssen. Nach dem Lago Lestio beginnt dann der schwierigste Teil der Tragepassage. 300 Höhenmeter zieht sich der Steig steil durch Kubikmeter große Steinblöcke. Zu allem Überfluss sind die Steine auch noch komplett mit Schnee bedeckt und entsprechend glitschig. Wer diese Transalp mit Raceschuhen probiert, wird, wenn nicht schon am Col de Thures, spätestens jetzt lauthals fluchen. Es ist Freitag und so ist es nicht verwunderlich, dass wir heute sogar Leute treffen. Sogar eine einsame Reifenspur führt durch den Schnee zum Passo di Vallanta (2811). Inzwischen haben sich die Schleierwolken aufgelöst und es scheint ein richtig schöner Tag zu werden. Auf der Passhöhe geht der Weg direkt am Hang entlang Richtung Westen. Zuerst müssen wieder ein paar Höhenmeter abgestiegen werden, bevor es dann zum höchsten Punkt unserer Transalp, dem Passo di Losetta (2872), geht. Kurz unterhalb des Passes wird dann ein Wunsch von Tobias war. Er wollte schon immer mal einen Steinbock in freier Wildbahn sehen und wenn nicht hier, wo sonst. Das Tier lag in einer steilen Felswand und sonnte sich gemütlich in der Mittagssonne. Es ließ ihn sogar bis auf 10 m an sich heran.Die Abfahrt durch das Vallanta Tal gehört sicher zu einer der einsamsten und landschaftlich schönsten in den Alpen. Anfangs noch etwas steil, lässt sie sich im unteren Teil gut fahren. Im letzten Drittel verläuft der Pfad flach über eine wunderbare Hochwiese, entlang eines Hochmoors. Bevor es dann wieder etwas steiler hinunter zur Passstraße geht. Bis nach Chianale nehmen wir die Teerstraße, um dann bis nach Pontechianale dem Panoramaweg rechts des Flusses zu folgen. Ein echt ansprechender Singeltrail, der fast durchgehend fahrbar ist. Vom Stausee rollen wir dann die Hauptstraße entlang durch das Varaita Tal bis nach Sampeyre. Im Ort angekommen nehmen wir gleich das erste Hotel das wir finden, eine echt gute Entscheidung. Von außen etwas bieder, sind die Zimmer wirklich toll und das Abendessen super lecker. Wir wissen nur bis heute nicht, was wir da eigentlich genau vorgesetzt bekommen haben.

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