Tourbericht Trans-Alp 2003
"Martigny - Ventimiglia"

5. Etappe (Donnerstag, den 11.09.2003): Le Rosier - Abries *****

Heute steht eine der längsten Etappen auf dem Plan und so machen wir uns zeitig auf den Weg. Bei gutem Wetter geht es die Bundesstraße hoch zum Col de Montgenevre und auf Schotter weiter zu dem kleinen Skiort Sagna Longa. Von hier hat man eine herrliche Sicht auf den Chaberton, der höchste Berg in den Alpen, den man bis zum Gipfel erradeln kann. Auf alten Militärpisten geht es zunächst höhengleich ins Tal hinein und dann im Singflug hinunter nach Rhuilles. Gottlob haben wir alle Fullies. Ab dem heutigen Tag werden diese alten Militärpisten unser ständiger Begleiter sein. Mit ihrer etwas ausladenden Streckenführung und moderaten Steigung sind sie optimal für Mountainbiker geeignet. Allerdings hat der Zahn der Zeit stark an Ihnen genagt und die Oberfläche ist alles andere als smooth. Selbst auf dem Fully mit 2,35 Reifen und 2,2 bar Luftdruck ist es schwer ruhig im Sattel zu bleiben und einen runden Tritt zu finden. Mit einem Hardtail stirbt man hier tausend Tode. In Rhuilles muß Marco erst mal seinen Schaltzug wechseln, während Markus und Tobias auf dumme Ideen kommen. Warum eigentlich jetzt runter zum Ponte Blaize und dann wieder hoch zum Col Mayt, wo eh nur Tragen angesagt ist? Warum nicht einfach gleich hier im Tal die Militärpiste hoch zum Col de Thures nehmen? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und so entschließen wir uns zu einer kleinen Freestyle-Aktion. Nachdem Marco sein Bike wieder fit gemacht hat, geht es kurz auf Teer und dann schier endlos auf einer der besagten Militärpisten Richtung Col de Thures. Weiter hinten im Tal treffen wir noch drei alte italienische Haudegen mit genau so alten Mountainbikes, die meinen, dass die Piste hier zu Ende sei und Laufen auf dem Programm stehe. Die Wegbezeichnung in der Karte sagt dasselbe. Das sind ja tolle Aussichten. Sollten aber alle Unrecht behalten. Die Militärpiste ist zwar im hinteren Teil des Tals durch Gerölllawinen zum Teil unterbrochen, man kann aber bis 250 Hm unterhalb des Passes fast komplett fahren. Man muß nur schauen, dass man auf der Piste bleibt (Rot-Weiß-Rot) und nicht den Wanderspuren folgt, die so manche Kehre geradeaus abkürzen. Immer diese Wanderer einfach querfeldein! Am letzten Stück hoch zum Pass ist Schieben und Tragen angesagt. Der Weg verläuft hier einfach geradeaus den Berg hoch. Von den sanften Kehren ist hier nichts mehr zu sehen. Erschwerend kommt heute noch dazu, dass hier oben Schnee liegt und kaum noch Markierungen zu erkennen sind. Zum Glück zeigt uns eine einsame Spur im Schnee den Weg zum Col de Thures (2792), der wir einfach blindlings folgen. Mit dem Bike zwischen den Zähnen klettern wir auf allen Vieren durch die glitschigen Felsen hoch zum Pass. Oben angekommen erwartet uns ein traumhaftes Panorama und ein eisiger Wind. Kurz genießen wir den Augenblick, um dann die exponierte Lage zu verlassen und in wärmere Gefilde abzusteigen. Auf der Südseite liegt zum Glück kein Schnee und auch das Gelände ist viel einfacher zum Absteigen. Nach 250 Hm Schieben lässt sich der Trail dann sehr gut fahren und macht mit seinen tausend Kehren richtig Spaß. Ich kenne den Col Mayt nicht, aber diese Abfahrt ist Spitzenklasse. Vorausgesetzt man mag und beherrscht Spitzkehren, dann kann man hier richtig Tempo machen. Unten hatten wir auf jeden Fall wieder das obligatorische Megagrinsen aufgesetzt. Bei La Montette treffen wir dann wieder auf die Standardroute und folgen ihr nach Abries. Hier wird erst einmal der Supermarkt überfallen, da es auf der Strecke ab dem Col de Montgenevre keine Möglichkeit der Verpflegung gibt. Anschließend machen wir es uns vor dem Hotel in der Sonne zum Vespern gemütlich.

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