Tourbericht Trans-Alp 2003
"Martigny - Ventimiglia"

10. Etappe (Dienstag, den 16.09.2003): Trinita - Limonetto ****

Ausnahmsweise starten wir heute mal bei strahlend blauem Himmel. Dafür ist es zu Beginn der Fahrt durch das Vallone del Sabbione noch bitterkalt. Lange wird es uns aber nicht frösteln. Denn nach kurzem Einrollen auf Teer führt der Weg auf steilen Schotterrampen zielstrebig nach oben und fordert alles von uns. Das ein oder andere Stück muss dann auch geschoben werden. Führte der Weg bisher meist durch Wald, kommen wir jetzt auf eine Weide, bei der wir bald über eine kleine Brücke auf die andere Bachseite wechseln müssen. Auf der Karte ist die Brücke erst etwas später an der Gias dell'Adreit eingezeichnet. Nun folgen wir dem Pfad auf der linken Uferseite des Baches bis zur Gias della Culatte. Fast die komplette Strecke darf geschoben werden. Wobei der Zick-Zack-Lauf durch die Kuhfladen hier echt extrem ausfällt. Aber das war alles nur Warmlaufen für den finalen Anstieg zum Pass. Auf einem zum Teil ziemlich zugewachsenen Weg geht es nun auf der linken Talseite in kleinen Serpentinen steil nach oben. Hier fragt man sich wirklich, was man hier macht und warum man eigentlich ein Fahrrad dabei hat. Zumal man es zwischen den Büschen weder ordentlich schieben, noch tragen kann. Doch bald ist auch dieses Teilstück überstanden und der Pfad zieht sich imposant nach rechts durch eine Steilwand empor zum malerischen Lago della Vacca. So mancher hat nach gestern und heute endgültig genug vom Laufen. Vom See ist es jetzt nur noch ein kurzes Stück zum Colle del Sabbione-West (2328). Auf der anderen Seite des Colle tauchen wir in eine komplett andere Welt. Hier ist der Mittelmeer-Einfluß förmlich zu spüren. Die Hügel sind etwas sanfter und auf Grund der Trockenheit eine ganz andere Vegetation. Direkt am Hang entlang verläuft der Trail eindrucksvoll über dem Vallone de Valmasque zur Tenda-Westkammstraße, der wir bis zum Colle di Tenda folgen werden. Diese Grenzkammstraße wird uns noch die nächsten zwei Tage begleiten und zermürben. In den letzten Jahren wurde die Straße leider für den Auto- und Motorradverkehr freigegeben, so dass man sich die Strecke nun vor allem mit den Motorrädern teilen muss. Anfangs ist die Straße noch in einem recht ordentlichen Zustand. Je weiter man ihr aber Richtung Süden folgt, um so heftiger werden einzelne Teilstücke. Ohne dicke Reifen und super sensiblen Hinterbau macht es keinen großen Spaß. Auch sollte man genug zu trinken mitnehmen, da wir keine einzige Wasserstelle (mit Wasser!) gefunden haben. Auch die in der Literatur beschriebenen Brunnen waren trocken. Unserer Meinung nach haben die Bauern die wenigen Quellen angezapft, um Ihr Vieh zu versorgen. 3 Liter Camelback und Wasserflasche sind das Minimum für die zwei letzten Etappen. Anfänglich hatten wir geplant, dass wenn es gut läuft, aus den letzten drei Etappen irgendwie zwei zu machen. Dazu kann man nun nur sagen, auch wenn sie nominell nicht lang und schwer sind, man braucht seine Zeit und sie kosten viel Kraft. Achim Zahn hat die Etappen empfehlenswert so eingeteilt. Selbst die Alternativroute nach Upega wollten wir auch rückblickend auf dieser Etappe nicht fahren. So fahren wir vom Colle di Tenda gleich links durch das Skigebiet hinunter nach Limonetto zur Posto Tappa al Aguila Blu. Wer etwas anderes findet, sollte das auch tun. Ansonsten Augen zu und durch, das war unserer schlimmste Übernachtung.

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